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just a little bit beyond…

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Politikverständnis von Angelika Niebler – CDU

Nun kann es ja nicht wirklich überraschen, dass Abgeordnete der CDU/CSU Auseinandersetzungen scheuen. Politische Diskussionen voranzutreiben, dient so gut wie nie dem Machterhalt, und nur dazu ist der Kanzler*innenwahlverein CDU/CSU da.

Entsprechend scheint es für Angelika Niebler selbstverständlich, Nachrichten von Wählern (und vermutlich auch Wählerinnen) nicht zu beantworten. Möglicherweise insbesondere dann, wenn in diesen Nachrichten Meinungen zum Ausdruck kommen, die denen der eigenen Partei (und auch denen der “freundlichen” Lobbyist*innen mit den lukrativen “Connections”) widersprechen.

Ob diese Diskussionsverweigerung auf einer obskuren politischen Strategie, einer grundsätzlichen Maulfaulheit oder auf der Gewissheit beruht, dass das geplante Abstimmungsverhalten in Sachen Urheberrechtsreform den Interessen der Mehrheit der Menschen wider- und den Interessen der grossen Copyright-Konzerne entspricht, wage ich nicht zu einzuschätzen.

Als Fussnote und vielleicht auch als ein möglicher Hinweis auf Maulfaulheit als Ursache des Schweigens im Walde von Frau Niebler sei noch erwähnt, dass ich vor Verfassen meiner Nachricht auch versucht habe, sie telefonisch zu erreichen. Angeblich war sie ausser Haus, aber ihre Kollegin versicherte mir, dass es das Beste sei zu schreiben und das auf jeden Fall mit einer baldigen Antwort zu rechnen sei.

Da Frau Niebler meine Mail zur Urheberrechtsreform allerdings unbeantwortet liess, dokumentiere ich sie hier.

11.4.2018

Sehr geehrte Frau Niebler,

wie ich lese, arbeiten Sie mit an der Urheberrechtsreform für den Binnenmarkt der EU. Ein gemeinsames Urheberrecht ist sicherlich zu begrüßen, aber nicht um den Preis der massiven Einschränkungen und Behinderungen, zu denen die gegenwärtigen Vorschläge, wie sie im Internet besprochen werden, führen werden.

Bitte stellen Sie sicher, dass ein EU-weites Urheberrecht die Urheber/innen und nicht die Besitzer von großen Rechtekatalogen (wie die großen Konzerne Universal, Disney, aber auch Bertelsmann oder Springer) schützt. Denn obwohl diese Konzerne den höchsten Profit aus dem Urheberrecht ziehen, sind sie nicht – oder nur in sehr geringem Masse – die eigentlichen Urheber/innen.

Um Urheber/innen zu schützen und kreative Arbeit zu fördern, muss auf folgendes geachtet werden:

* keine “unendlichen” Schutzrechte. Die monopolistischen Rechte des Urheberrechts dienen dazu, dass Urheber/innen an ihren Schöpfungen verdienen können. Sie brauchen aber eine Grenze, denn keine kreative Schöpfung geschieht aus dem Nichts. So wie Wagner nicht die Nibelungen erfunden hat, so ist jede andere kreative Schöpfung nichts anderes als die Weiterentwicklung der menschlichen Kultur. Und dieser Prozess darf nicht dem sinnfreien und kulturlosen Profitinteresse von Grosskonzernen geopfert werden. 70 Jahre nach Tod der Schöpferin ist schon zu lang. Setzen Sie sich dafür ein, dass Leistungsschutzrechte bis max. 25 Jahre nach Tod des Schöpfers gelten.

* keine “Link Tax” (Artikel 11): Das berechtigte Interesse an dem Schutz der journalistischen Meinungsvielheit wird nicht erreicht, indem allen Schöpferinnen vorgeschrieben wird, wie sie ihre Schöpfungen im Internet darstellen können. Die “Link Tax” würde zum Beispiel die äußerst erfolgreichen “Creative Commons” zerstören, ohne ihr Ziel zu erreichen. Um die Meinungsvielheit zu fördern, ist es sinnvoller, Fördermodelle ähnlich denen in Frankreich für die Presse auf das Internet und ganz Europa auszudehnen. Finanzierbar wäre dies z.B. durch höhere Besteuerung von Werbung

* keine “Urheberrechtsdurchsetzung” durch private Institutionen (Artikel 13): Urheberrechtsverletzungen betreffen Zivilrecht. Sie begründen Schadensersatzansprüche der geschädigten Partei gegen die Partei, die die Urheberrechtsverletzung begangen hat. Die Durchsetzung dieser Ansprüche aber privaten Firmen wie Google, Facebook oder ähnlichen zu übertragen, bedeutet eine Beweislastumkehr. Statt beweisen zu müssen, dass eine Urheberrechtsverletzung vorliegt, müssten Nutzerinnen dann gegen die Übermacht von Grosskonzernen beweisen, dass keine Urheberrechtsverletzung vorliegt. Das ist nicht sinnvoll und eine massive Beschränkung der freien Kreativität, die zu fördern Aufgabe von Urheberrecht ist. Gesetze wie DMCA, die ähnliches weniger umfassend versucht haben, haben gezeigt, dass solche Verfahren von Rechtekataloginhabern rücksichtslos, schamlos und zum Schaden der Kultur und Gesellschaft ausgenutzt werden. Sie sind darüber hinaus technisch nicht sinnvoll umsetzbar (siehe ContentID bei youtube), weil mit dem dafür notwendigen “Fingerprinting” von Inhalten die endlosen Variationen, die die digitale Welt von Inhalten erzeugen kann, nicht ansatzweise erfasst werden können. Sollten Sie trotzdem an einem solchem Verfahren festhalten wollen, dann sollten Sie sich mindestens dafür einsetzen, dass Missbrauch solcher Systeme empfindliche finanzielle Strafen (z.B. 5-10% des Jahresumsatzes der missbrauchenden Firma) nach sich zieht und Firmen, die diese Systeme missbrauchen, von zukünftiger Nutzung dieser System ausgeschlossen werden.

Mit freundlichen Grüßen,

Auch eine Nachfrage einige Monate später blieb unbeantwortet:

8.6.2018

Hallo Frau Niebler,

ich möchte nochmal auf das Thema Urheberrechtsreform im EU-Parlament zurückkommen. Ich würde Sie bitten, mir Ihren Standpunkt zu erläutern. Ich in auch enttäuscht, dass Sie sich nicht die Mühe gemacht haben, mir zu antworten.

Mit freundlichen Grüßen,

Eine ähnliche Anfrage an die Abgeordnete der Linken Martina Michels wurde im Übrigen schnell und klar beantwortet.

Bürger Quadfasel

Lars Quadfasels angenehm schlussfolgerungsfreies Dossier “Adornos Leninismus” in der jw 21 stellt die immergrüne Frage nach der Rolle der Avantgarde für die Revolution. Bzw., wie Quadfasel ganz richtig kurzschließt, die Frage nach dem Verhältnis von Intellektuellen und Proletariat. Er versucht aber nicht so sehr eine Antwort auf diese Frage zu finden, als vielmehr Adornos Haltung zu dieser Frage freizulegen. Der rote Faden ist ihm Adornos Lenin-Rezeption, die sich, wie er anfangs erläutert, auf nur sehr wenige direkte Zitate stützen kann, und die deshalb um Adornos Kritik an Benjamin (die er z.T. mit Verweis auf Lenin stützte) und einige Ausführungen zu Adornos Musiktheorie (“Revolutionstheorie, das ist in seinen Schriften vor allem Musikphilosophie“) ergänzt werden.

Am ehesten wird Quadfasels eigene Meinung zum Thema in einem parenthetischen Satz spürbar: “Und wirklich kann wohl nur Avantgarde sein, wem das [nämlich sein Avantgarde sein] unheimlich ist.” Im Grunde also folgt Quadfasel Adornos Leninlektüre darin, dass eine Avantgarde nötig sei, sie muss sich selbst bloß ausreichend unsicher, oder unheimlich sein, um “jene spezifische intellektuelle Reaktionsweise – die geistige Distanz” gegenüber “den Entfremdungserfahrungen der Masse” zu wahren.
Ohne den Wert des Aufsatzes schmälern zu wollen, so ist doch auf zweierlei hinzuweisen.

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Ausland in München?

Oskar Maria Grafs „Wunderbare Menschen – Heitere Chronik einer Arbeiterbühne nebst drolligen und traurigen Erlebnissen dortselbst“

Dennoch ist nichts von unserer damaligen Arbeit umsonst gewesen, denn die wirkende Zusammengehörigkeit der Wenigen hat sich im Laufe der Jahre erhalten, ist stärker geworden und hat die lauen und fremden Elemente abgesondert. … Missgeschick und Unglück können nicht zerbrechen, was eine gute Not zusammenschweisst. (S. 187)

Der 1927 entstandene Text beschreibt in loser Romanform die Zeit Oskar Maria Grafs bei der „Neuen Bühne“ in München ca. 1920-1927. Die Neue Bühne ist eine Arbeiterbühne, die für Graf soetwas wie die Bewahrung und Wiederbelebung sozialistischen Kampfgeistes nach der verlorenen Revolution war. Auf Betreiben des ehrgeizigen Direktors Felber als Arbeitergenossenschaft gegründet, hat die Neue Bühne aus meiner Sicht einige Ähnlichkeiten mit dem ausland, dies allerdings in deutlich kleinerem Massstab.

Oskar Maria Graf: Wunderbare Menschen, 1. Auflage, München 1927

Oskar Maria Graf: Wunderbare Menschen, 1. Auflage, München 1927

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Daniel Greiner: ABC für Proletarier

Mein Urgroßonkel Daniel Greiner (der Onkel meiner Oma) war Christ und illustrierte u.a. eine Bibel mit seinen Holzschnitten. Er war außerdem eine Zeit lang in der KPD, und aus dieser Zeit stammt sein “ABC für Proletarier”, von dem im Folgenden einige Seiten zu sehen sind.

ABC für Proletarier - Einband

ABC für Proletarier – Einband

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Chris Kraus’ Where Art Belongs

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Longing for Belonging?

(review of: Chris Kraus: Where art belongs)

I like how Chris Kraus always contextualizes the art she talks about. Art is always a product of circumstances (Xavier LeRoy) first and foremost. It is never just “the work” that stands on its own, at best informed by some unmutable history. Art to Chris Kraus is a subjective result of an attitude that is as much rooted in the artists condition of production as in the observer’s vantage point. “I am trying to find a way to work”, says Moyra Davey (pg. 108) while Janet Kim’s work as curator rests in her community as well as in her ability to build this community. The “Sex Workers Art Show” turns the conditions of production into a label and preserves enough proletarian drive to be not just art but also of political consequence.

Where art belongs” – the longing in the title already betrays the romantic in Chris Kraus. And that the romantic elements often closely relate to the conditions of production is my major problem with her writing. Why – when it touches the hardship and the alienation – does her writing avoid the confrontation by fleeing into a romantic world?

Confluency and conflation of personal history (Ceŝar and the Nazis) evoke Pynchon’s magical realism. In these essays meaning is given to art works and to attitudes of artists’ almost like a spell. By not quite saying the word, as if speaking it would render the magic void. This of course is just a different reading of the “romantic” touch in Chris Kraus work.

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Urlaubslektüre*: Elizabeth Grosz – chaos, territory, art

Eine schrittweise Rezension in vier Emails

aus der ersten email:

Tagsüber ist selbst lesen nicht ganz einfach – ich habe elizabeth grosz – chaos, territory, art angefangen und habe einen ganzen Tag für die ersten 24 seiten gebraucht… das Buch scheint wirklich ein ziemlich zweifelhaftes Projekt zu sein, fast möchte man meinen, es wurde in dem Wissen geschrieben, dass es den Künstler/innen als Zielgruppe reicht, wenn man imposante Zusammenhänge behauptet, und dass die sich doch nicht die Mühe machen, darüber näher nachzudenken. In a nutshell (wohlgemerkt die ersten 24 seiten): Kunst ist wie Philosophie in erster Linie eine Kontext-Maschine, in der neue Beziehungsrahmen geschaffen bzw. vorhandene durchbrochen werden, jeweils mit dem Ziel, das ungeordnete Chaos der zugrundeliegenden Natur erfahrbar und natürlich insbesondere neu erfahrbar zu machen. Kunst geht es um Sensations (Erfahrungen?), aber nicht um das reproduzieren von Sensations sondern um das Erzeugen von neuen. (Denn Reproduktion ist keine Kunst…) Und natürlich geht es nicht darum, eine Hierarchie zwischen Kunst und Philosophie aufzumachen, eher die gemeinsamen Wurzeln freizulegen, trotzdem ist natürlich klar (?), dass Architektur die primäre Kunstform ist, von der sich alle anderen ableiten, denn das Medium der Architektur sind ‘frames’ (Beziehungsrahmen), wie man unschwer feststellen kann, wenn man sich architektonische Pläne anschaut. Viel von dem imposanten Gepräge des Textes entsteht durch den doppelten Bezug auf Deleuze und Darwin, wobei der eine wohl für die Verwurzlung in der aktuellen Debatte und der andere für wissenschaftliche Credibility herhalten muss. Zusätzlich zum oben geäußerten Verdacht des unverblümten Opportunismus befürchte ich auch noch eine essentialistische, also sehr konservative Stoßrichtung, wie sie in Wendungen wie ‘irreducibility of sexual difference’ schon aufscheint. Lustig in jedem Fall die mehrfach wiederholte Behauptung, dass Deleuze Konzeptkunst scheisse fand…

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In North America

Stadtpark Boston

Ich sitze im Stadtpark von Boston und habe gerade Facebook auf meinem Handy installiert.

In Caribou

And finally: caribu@Caribou, Maine!

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Lindy Annis: Warburg’s Memo

Lindy Annis’ Performance “Warburg’s Memo” (zusammen mit Antonia Baehr und Nicholas Bussmann) ist eine vielschichtige Erzählung über Aby Warburgs Bildatlanten. So wie Aby Warburg mit seinen Bildtafeln einen speziellen Raum zwischen Kunst und Kunstkritik betritt, der solche Unterscheidungen verschwimmen läßt, erzählt Lindy Annis nicht nur über Warburg, sondern sie erzählt auch als Warburg – und in der Performance fließen diese Erzählpositionen ineinander.

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Frédéric Gies „Dance (Praticable)“ – Gruppenversion

“Dance (Praticable)- Gruppenversion” ist ein Tanzstück mit 9 Tänzern. Ich habe es am 23.10.08 in den Berliner Sophiensälen gesehen. An diesem Tag war eine der Tänzerinnen erkrankt, also nur acht Personen auf der Bühne. Das Stück dauert ungefähr eine Stunde. Während des ganzen Stückes werden alle Bewegungen und Abläufe von allen Tänzern gemeinsam, wenn auch nicht synchron, durchgeführt. Getanzt wird in der Gruppe, nicht einzeln. Es wird allerdings auch nicht miteinander getanzt, sondern eher nebeneinander.

Dance (Praticable) - Gruppenversion nach einer Partitur von Frédéric Gies

Dance (Praticable) - Gruppenversion nach einer Partitur von Frédéric Gies

So entsteht auf der Bühne eine merkwürdige Gruppe, die als Kollektiv durch das Nebeneinander der Tänzerinnen unwirklich bleibt, die aber durch die gemeinsamen Bewegungen der Tänzer auch nicht ignoriert werden kann. So – wie Yves Mettler im Publikumsgespräch danach bemerkte – oszilliert der Blick zwischen der Gruppe und den einzelnen Tänzerinnen und kann nie so ganz bei dem einen oder dem anderen verharren. Denn auch die einzelnen Tänzer verlangen Aufmerksamkeit. Die Choreographie durchlaufen zwar alle gemeinsam, aber auch sehr individuell: Runde Bewegungen, eckige Bewegungen, tanztrainierte Bewegungen, fließende Bewegungen – jede der Tänzer hat einen eigenen Stil – ihren eigenen Stil, der eher betont als in der Gruppe versteckt wird. Auf die Unterschiede kommt es an.

Aber die Tänzerinnen scheinen sich weder auf die Gruppe noch auf das Publikum zu konzentrieren, sondern vor allem auf sich selbst. Die Choreographie, die sie tanzen, wirkt fast wie die unbeabsichtigte Konsequenz eines Prozesses, der in den Tänzern stattfindet, und den der Zuschauer nicht sieht und nicht sehen kann.

Eine ähnliche innere Konzentration ist der Grund, warum ich Musikerinnen so gerne beim Spielen zuschaue. Gespielt wird für das Publikum, aber die Bewegungen – die eigentliche Performance sozusagen – ist nur Mittel zum Zweck, der darin besteht, Musik zu machen.

Eine solche Zweckmäßigkeit, die sich nicht in sich selbst erschöpft, strahlen auch die Tänzer bei “Dance” aus – und unterscheiden sich darin von allem, was ich bisher auf einer Tanzbühne gesehen habe. Hier wird nicht getanzt, um schön zu tanzen, hier wird getanzt und nebenbei entsteht schöner, energetischer, mitreißender Tanz.

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Hello world!

Hello World, indeed.

This is my latest attempt at trying to blog. Entries in this blog will cover Ausland, software development, some thoughts on copyright and open source as well as random ideas.

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